Viens avec moi, Olaf.

Was genau mich geweckt hat, weiß ich nicht mehr…aber als ich die Augen aufmache und tief einatme, spüre ich, dass es in der Nacht geregnet hat. Ich drehe mich auf den Rücken und merke wieder, wo ich bin. Kaum wach, schlage ich die Decke zurück und torkel auf wackeligen Beinen zum Fenster. Das Feld neben dem Chateau, die Bäume davor und die Hügel am Horizont sind in dichten Neben gehüllt. Würde man in der Ferne nicht ein Auto vorbeifahren hören, wäre es perfekt. Der nächste Moment ist es dann aber. Das Motorengeräusch wird leiser, verschwindet schließlich und was bleibt ist Stille, Nebel und absolute Schönheit in Vollendung. Ich stehe glücksselig an dem kleinen Dachfenster. Mein Kinn auf die Unterarme gestützt, die Augen vor Müdigkeit noch nicht ganz geöffnet. Die Luft ist feuchtkalt und von einer Reinheit, die mit der Luft in meiner Stadt zu Hause nichts zu tun hat. Nichts hier hat mit meiner Stadt zu Hause zu tun. Ich möchte nach draußen und ziehe mir schnell Jeans, Pullover und Chucks an. Mit meiner Kamera schleiche ich nach unten und versuche vorsichtig zu gehen, weil die Dielen knarren und knacken und ich niemanden wecken will. Olaf und Bernadette liegen auf der Terrasse und schlafen noch. Ich möchte eine Begleitung haben und rufe Olaf mit einem Klopfen auf den Oberschenkel und einem liebevollen „komm mit“ zu mir. Ich und ein riesiger, stinkender, nasser Hund gehen los. Im Rosengarten zwischen den Statuen schleicht die Katze umher und knabbert an Grashalmen. Ich muss lachen, weil Gaston wie alles andere vom Regen klatschnass ist und etwas deppert schaut…und als hätte er mich verstanden (und als wäre er beleidigt), macht er kehrt und verschwindet  in einem Gebüsch. Auf der großen Wiese angekommen sind augenblicklich meine Schuhe bis auf die Socken durchtränkt, weil das Gras so hoch ist. Ist egal, denke ich mir. Ich besinne mich auf die Schönheit des Augenblickes mit nassen Füßen. Olaf trottet neben mir her und wartet dann geduldig, bis ich das Tor zum Weinberg aufgemacht habe. Das Schloss klemmt und ich breche mir beim Versuch es zu öffnen einen Fingernagel ab. Unwichtig. Wir kommen an den Hang, wo die Weinreben im Morgenlicht und in Nebel getaucht stehen. Links und rechts am Rand wachsen bunte Blumen, die mit Tautropfen übersäht sind. Ich nehme den Objektivdeckel von meiner Kamera und mache ein paar Fotos…dabei merke ich aber, dass ich eigentlich gar nicht so wirklich fotografieren will und auch irgendwie keine Ruhe dazu habe. Ich setze mich ins Gras neben Olaf und dann ist sie da: Die Ruhe. Sie lässt mich alles andere vergessen und füllt mich aus. Ganz und gar. Komplett und Lückenlos. Es ist 6.15 Uhr morgens.

Advertisements

~ von lovehatewrite - 28. Juni 2012.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: