unhappy Hour

Der Kakao mit Baileys, der Campari, der Amaretto, das Astra Rotlicht und die 4 Vodka Lemon wollen raus. Ich wollte es eigentlich vermeiden hier aufs Klo zu gehen aber der Wille meiner Blase bezwingt meinen Willen, die Toiletten im Spirit eigentlich nicht aufsuchen zu wollen.

Ich trete die erste Tür auf, um die Klinke nicht anfassen zu müssen. Kein Klopapier da und die Klobrille und der Boden drumherum komplett vollgepisst. Ich verrichte mein Geschäft auf fremden Toiletten auch immer in Abfahrtshocke….aber ich treffe wenigstens in das 40cm große Loch, ohne mich dabei großartig konzentrieren zu müssen. Ich verdrehe die Augen und gehe weiter zu Nummer 2. Sehe schon aus der Entfernung Bremsspuren und beschließe weiterzugehen. Die Nummer 3 ist besetzt, Nummer 4 frei aber auch wieder ohne Klopapier. Vollgepisst nur ein kleines bisschen. Lässt sich verschmerzen. Tür lässt sich zwar nicht abschließen…aber ist okay. Auf Nummer 3 höre ich plötzlich angestrengtes stöhnen und es fängt an zu stinken. Wer kackt hier bitte? Ich beeile mich, weil ich aus dieser Vorhölle verschwinden will und stoße in der Hektik mit meiner Jeans an die versiffte Klobrille. Ich fluche laut und stürze wie auf der Flucht vor irgendwas nach draußen. (Mein Fläschchen Sagrotan Handwaschgel lässt mich zumindest für einen kurzen Moment nicht ekelig fühlen.) Mit leerer Blase gehe ich wieder nach oben und bestelle mir noch was zu trinken. Die Leute hier kotzen mich heute Abend alle irgendwie. Hässliche, fette, stinkende, pöbelnde und asoziale Gestalten. Ich spüre, wie meine Laune immer schlechter wird trotte wieder zu Jessy, die noch neben einer der Boxen steht. Wir schauen uns an und verdrehen beide die Augen. Im Rock Cafe hatten wir mehr Spaß irgendwie. Da war auch die Musik besser….denn heute Abend spielt Mimi wieder nur Scheiße. Das ist sowieso ein zweischneidiges Schwert hier. Ich habe schon Nächte durchgetanzt, bis der Laden zugemacht hat. Heute ist aber wieder so eine Nacht, wo man direkt beim reinkommen merkt, dass das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Nur ein paar sturzbetrunkene Gestalten auf der Tanzfläche, die Luftgitarre spielen und vor sich hin und um die eigene Achse torkeln. Dann kommt eine von diesen Gestalten auf mich zu und sagt, ich solle mal lächeln. Würde mit einem Lächeln viel hübscher aussehen. Ich ziehe angewidert eine Augenbraue hoch, denn er stinkt nach altem Schweiß und Bier und hat nur einen Schneidezahn. Ich sage, dass ich verdammt nochmal dann lächel, wenn ich lächeln will und trinke mein Glas leer. Ich beschließe dem ganzen hier noch eine letzte Chance zu geben. Wende mich vom Trümmergebiss ab und gehe mit meiner Verzehrkarte zur Theke. Als ich mit Vodka zurückkomme, läuft “Warriors of the World” von Manowar. Die Tanzfläche ist jetzt voll und ich habe endlich Grund zum Lachen.

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~ von lovehatewrite - 7. Oktober 2012.

Eine Antwort to “unhappy Hour”

  1. Haha. . Schön geschrieben! So gehts mir auch dort – ab und an.

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