face it.

Das Licht in der Kosmetik- und Make-Up Abteilung ist grauenvoll ehrlich und schonungslos. Und die vielen Spiegel, die überall rumhängen werfen die Wahrheit ungeschönt zu einem zurück. Man hat eigentlich keine Wahl. Man muss zu irgendeinem Stand gehen und sich von einer der perfekt gestylten Verkäuferinnen restaurieren lassen. Da meine Füße von der vielen Lauferei eh schmerzen, verweile ich einen Moment bei Bobbi Brown und  lasse meinen Zeigefinger über eine Reihe von Puderdosen gleiten. Eigentlich genau in dem Moment, in dem ich stehenbleibe bin ich schon im Visier. Eine blonde, lächelnde Frau kommt auf mich zu und fragt, ob sie mir etwas zeigen darf. Ich frage, ob diese Foundation pudrig oder cremig ist und zeige auf das Regal vor mir, was (wie alles hier) hübsch und edel dekoriert ist. Sie öffnet eine der Dosen, fängt an zu erklären, hält Blickkontakt und ab da hab ich keine Chance mehr. Ehe ich „no, thank you“ sagen kann, begleitet sie mich zu einem Stuhl,  nimmt mir die Handtasche ab und fängt an, mich abzuschminken. Eigentlich wollte ich ja nur mal gucken und einen Moment ausruhen…und nun sitze ich bei Harrods und lasse mir von einer fremden Frau im Gesicht rumfingern. Ohne Schminke in diesem grellen Licht, fühle ich mich unwohl, aber die Leute hier  wissen damit umzugehen. Eine andere Verkäuferin kommt wie aus dem Nichts dazu und sagt, dass meine Haut gorgeous ist und sie für meine Wimpern töten würde. Okay. Geht runter wie Öl und ich fühle mich besser. Die nette Blonde, holt von hier und da allerlei Kram und kleine Tiegelchen, desinfiziert sich die Hände und fängt an mich zu schminken. Zwischen uns sind nur dürftige 30 cm Platz und da ich das ziemlich komisch finde fange ich an zu reden. „So….you are living in London?“  frage ich und  zupfe mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Die Blonde Dame lächelt und freut sich offenbar darüber, dass die unangenehme Stille vorbei ist. Es sprudelt mit einem schönen Akzent aus ihr heraus, während sie versucht, meine Augenschatten abzudecken. Sie wohnt in London, kommt aber eigentlich aus Litauen. Ihr Name ist Jurga und sie rollt das R sehr schön. Zwischendurch gibt sie mir einen Handspiegel und zeigt, was sie alles vollbracht hat. Ich staune ein bisschen, denn sie hat es wirklich geschafft mein übermüdetes Touristengesicht wieder frisch aussehen zu lassen. Frisch wie einen Blümchenwiese mit Morgentau.  Nach knapp 15 Minuten bin ich fertig und mein Gesicht wieder flawless, pretty und ich ein paar Minuten später fast pleite. Sie schreibt alle Produkte, die sie benutzt hat auf einen vorgedruckten Zettel  und ich versuche im Kopf einigermaßen schnell durchzurechnen, was das alles kosten würde. Gesichtscreme, Primer, Concealer, Foundation, Puder, Rouge und Lipgloss. Ich entscheide mich für Concealer, Foundation und Lipgloss und lasse 75 Pfund an der Kasse. „It was a pleasure, to do your make-up, lovely!“ sagt Jurga und lächelt mich an.

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~ von lovehatewrite - 26. April 2013.

Eine Antwort to “face it.”

  1. Nun ist Kosmetik und Make-up nicht gerade meine Welt, aber irgendwie… wenn Du darüber schreibst, lese ich es mit Vergnügen und sogar einer Spur von Interesse 🙂

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