in den Mai gammeln.

•1. Mai 2012 • 1 Kommentar

Ich fange an zu frieren und werde wach. Das Fenster ist auf, der Fernseher läuft und neben mir liegt an angebissener Apfel auf der Couch. Ich bin eingeschlafen. Irgendwann zwischen 19 und 20 Uhr. Was solls. „In den Mai tanzen“ hab ich eh noch nie wirklich gemacht. Tanzen kann ich immer, wenn ich Bock habe und dafür brauche ich den 30. April nicht.

Auf RTL läuft gerade „Extra“ mit Birgit Schrowange. Eine kurdische Hochzeit (die mehrere Hunderttausend Euro gekostet hat) wird von Polizisten und einem Gerichtsvollzieher gesprengt, weil das Pärchen hoch verschuldet ist und trotz mehreren Briefen vom Gericht nicht reagiert hat. Der Gläubiger hats eben nicht eingesehen, dass die mit seinem Geld die Party finanzieren. Der Bräutigam wird also vor den 2000 Gästen abgeführt, die Braut heult und der Abend ist im Arsch. Find ich ziemlich cool. RTL besucht die Zwei natürlich, um über die Geschehnisse zu reden. Die Reporterin steht vor der Tür eines geräumigen Hauses in einer gehobenen Wohngegend. Innen ziemlich luxuriös eingerichtet und vor der Tür steht ein dickes Auto. Die beiden Kurden sind Mitte 20. Er Stundent, Sie Krankenschwester. (Ich mache scheinbar irgendwas falsch) Die Braut erzählt, dass sie immernoch Alpträume hat und fängt an zu weinen. Ein Close-Up auf ihr tränennasses Gesicht, dazu schwermutige Musik.  „Wir haben unser Gesicht verloren“ sagt der Mann. Bericht zu Ende, ich wieder müde. Schadenfroh schalte ich den Fernseher aus und gehe in mein (von der Katze vorgewärmtes) Bett. Wenigstens bin ich morgen fit.

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Kotze.

•28. April 2012 • Schreibe einen Kommentar

Manchmal möchte ich alles auskotzen. Alles, was mir wehtut. Alles, was mich beschäftigt, womit ich mich aber nicht beschäftigen will. Alles, was mich traurig macht. Alles, was mich wütend macht. Alle schlimmen Erinnerungen. Alles, was mich verletzlich macht obwohl ich das gar nicht sein will. Alles was mich begleitet, was mich aber nicht begleiten soll. Alles was ich nicht bei mir haben möchte. Alles Schlechte, alles Hässliche, und einfach alles was nicht zu mir passt. Das Elend, die Melancholie und das Trostlose. Alles, was mich Dinge sagen lässt, die ich gar nicht so meine. Alles, was mich mich Dinge tun lässt, die ich eigentlich gar nicht tun will. Alles Abscheuliche, Verheerende und alles was düster ist. Das Miserable und das Jämmerliche. Das, was mich zerreist und das, was mich schwach macht und bedauernswert aussehen lässt.

Ich würde einen Eimer nehmen, mir den Finger in den Hals stecken und kotzen. So lange, bis nur noch Galle kommt. Dann würde ich das Fenster öffnen und alles auf die Straße schütten. Wir sind ja hier in der Nordstadt.

the little things that count.

•22. April 2012 • Schreibe einen Kommentar

Wenn ich an New York denke, dann sind es teilweise sonderbare Dinge, an die ich mich erinnere.

Ich liege auf dem King Size Bett im Hotelzimmer. Es ist Abend und nachdem ich 12 Stunden gelaufen bin, schmerzen meine Füße. Auf dem Nachttisch neben mir liegt das tolle Grippemittel, was ich im Drugstore gekauft habe, denn mir geht es beschissen. Ich bin nach New York City geflogen…natürlich werde ich da krank. Schon auf dem Hinflug ein Kratzen im Hals. Ein paar Stunden später in Newark auf dem Weg nach Manhattan dann Fieber. War doch klar. Ich spüle eine der Tabletten mit Pepsi runter und bekommen Hunger. Mir fällt ein, dass ich nachmittags 2 rosa Cupcakes mit Regebogenzuckersträuseln gekauft hab und freue mich.  Schalte den Fernseher ein und bleibe bei TLC hängen. „Toddlers and Tiaras“ läuft. Kinderschönheitswettbewerbe sind hier ein ganz dickes Geschäft, was ich ähnlich wie einige andere Sachen in den USA (wie die abartig süßen Cupcakes) ziemlich bizarr finde. Eine völlig verzogene 5 Jahre alte Göre beschimpft ihre noch gestörtere Mutter. Das Mädchen (Mackynzie ist ihr Name) trägt eines der typischen kurzen rosa Glitzertüllrüschenkleidchen und ist so dick geschminkt wie ein Transvestit bei der Gay Pride Parade.. Marie Antoinette-ähnliches Haarteil, künstliche Wimpern, künstliche Fingernägel….alles künstlich. Während die Kurze durch die Gegend tobt und Lockenwickler gegen den Spiegel wirft, steht Mama daneben und lächelt nur. „She has an over the top personality. That´s the problem.“

Mein Kaffee schmeckt nicht, aber das ist mir egal, denn der Bagel ist großartig. Das Cafe an der Lexington Avenue ist voll, denn die meisten Leute machen gerade Mittagspause. Frauen mit Burberry Trenchcoats, Birkin Bags und Männer in maßgeschneiderten Anzügen. Laptops dabei, Handy am Ohr, und während man Geschäftliches regelt wird irgendwie irgendwas gegessen. Alle Menschen sind hier immer ruhelos und hektisch….zumindest wirkt es auf mich so. Von den Leuten neben mir werde ich kurz gemustert und dann nett gegrüßt. Lächeln tun die hier viel…und dabei sind die Zähne so weiß, dass es kaum zum aushalten ist. Ich falle auf, weil man nicht übersehen kann,  dass ich Tourist bin…wegen der ausgebreiteten CityMap und der Kamera….aber was solls schon. Meine Laune ist bestens, weil das Wetter es auch ist. Strahlend blauer Himmel und das Chrysler Building direkt gegenüber. Ich will weitergehen, weil die Ruhelosigkeit mich hier irgendwie ansteckt. An der East 42 Street fragt mich ein junger Mann nach dem Weg. Zum South Ferry Hafen will er. Ich kann ihm zeigen, wo die U-Bahn ist, er bedankt sich und ich gehe mit einem gelächelten „you`re welcome“ weiter.

„The World Largest Store“.  Dieser Slogan lockte mich. Im Hotel sitze ich auf dem Bett mit meiner Karte und versuche rauszufinden, wie ich am einfachsten zu Macy’s komme. 151 West 34th Street. Okay. Müsste am Times Square einsteigen und dann ein paar Stationen U-Bahn fahren bis zum Herald Square. Läuft. Nach ein paar Minuten Fahrt bin ich schon da. Steige aus, wühle mich durch die Menschen, gehe die Treppen hoch und sehe mich um. Macy`s ist riesig…macht aber irgendwie nicht so viel her, wie ich gedacht hab. Der Victoria’s Secret Store ist auch an der Ecke und dazu ein paar Hochhäuser. Eins davon mit Antenne auf der Spitze. Ich bleibe stehen und denke nach. Das Gebäude kommt mir bekannt vor aber ich bin mir nicht sicher. Sieht aus wie das Empire State Buildung denk ich…aber irgendwie auch wieder nicht. Krame in der Tasche nach der Karte und sehe nach. Schaue nach oben, schaue auf die Karte und wieder nach oben. Doch. Das ist es tatsächlich. In mir macht sich ein Gefühl von maßloser Enttäuschung breit. Wie wenn man wochenlang auf ein Paket wartet, in dem was tolles drin ist, dann endlich der DHL Bote klingelt und nur ein Paket für den bescheuerten Nachbarn hat, der gerade nicht zu Hause ist. Irgendwie wirkt in Filmen auch immer alles wesentlich ooler. Hier ist es nur ein hohes, relativ hässliches Haus. Mache ein Foto und mir fliegt eine fette Taube durchs Bild. Nun denn. Das ist der erste Kontakt. Anni vor dem Empire State Buildung. Ein denkwürdiges Ereignis sollte man glauben. Ich ziehe eine Fresse und gehe weiter.

Es liegt ein bisschen Schnee und ist klirrend kalt, weswegen ich mir morgens Skiunterwäsche angezogen habe. Fühle mich wie eine Wurst aber ich friere wenigstens nicht. Am Central Park stehen Kutschen und die Tiere tun mir einfach nur Leid. Müssen den ganzen Tag stehen und warten oder aber den ganzen Tag eine Kutsche mit fetten Touristen ziehen, was in etwa ähnlich schlimm ist. Ich bleibe bei einem Pferd stehen und ziehe meine Handschuhe aus, um es zu streicheln. Die Nüstern sind warm und weich….und der Mann auf dem Kutschbock erzählt mir, dass das Tier Harriet heißt und schon sehr alt ist. Ich stehe da also mit Harriet und geb ihr zum Abschied einen Kuss, denn wiedersehen werde ich sie nicht.

Bild

Herzensangelegenheit.

•22. April 2012 • Schreibe einen Kommentar
  • beim Schaukeln Anschwung geben
  • selber schaukeln
  • Bobbycar fahren und dabei lächerlich aussehen
  • Zöpfe flechten
  • Türme aus Bauklötzen bauen und dann einstürzen lassen
  • Geschichten vorlesen
  • Beim Lesen Stellen überspringen, weil man die Geschichte 10 mal Tag liest und dabei erwischt werden
  • Tränen trocknen
  • umarmt werden
  • Glitzer in den Haaren haben vom Basteln
  • Spielzeugautos zusammenstossen lassen und dabei Unfallgeräusche machen
  • den ganzen Tag Birkenstockschlappen tragen
  • im Sandkasten sitzen
  • im Sand nach Schätzen graben
  • in der Kinderküche sitzen und bekocht werden
  • zusammen eine tote Hummel beerdigen
  • kleine Hände halten beim balancieren
  • Kitzelmonster sein
  • sich mit Fingerfarbe vollschmieren
  • Schuhe zubinden
  • mit einem kleinen Plastikstetoskop abgehört werden, weil man krank ist
  • jemanden auf dem Schoß haben
  • jemanden auf dem Arm haben
  • verstecken spielen
  • gefunden werden
  • zusammen beschliessen, dass Rosenkohl ekelig ist
  • Lieder singen
  • in der Sonne sitzen und die Wolken ansehen
  • selbstgemalte Bilder geschenkt bekommen
  • beim Winnie Pooh Puzzle merken, dass Ferkel fehlt
  • Ferkel suchen, Ferkel finden, sich freuen

Mrs. Self Destruct

•22. April 2012 • Schreibe einen Kommentar

Ich stehe vor dem Spiegel im Badezimmer. Meine Hände auf dem Rand des Waschbeckens abgestützt und ich betrachte das Elend eine Weile. Morgens zu Hause gewesen, das Blut und der Magen voller Alkohol, der Körper voller Müdigkeit. Nicht mehr abgeschminkt. Nur noch ausgezogen und gemerkt, dass meine Hose und mein Top nach Bier stinken. Dabei hab ich kein Bier getrunken. Aber irgendwie ist es immer so. Lasse die Sachen auf den Boden fallen und mich selbst ins Bett. Es wird schon hell draussen und ich höre Vögel zwitschern. Drehe mich. Drehe mich wieder zurück. Einschlafen ist nicht…Hunger kommt. Um 6 Uhr heize ich den Ofen vor. Pizza will ich. Tiefkühlfach auf…Augenverdrehen.Hab nur noch Pizza Hawaii da….aber macht nichts. Kann den Schinken einfach runterkratzen. Fernseher an. Auf DSF preisen semiattraktive Frauen ihre Dienste per Telefon an. Irgendwo anders werden schlechte Filme wiederholt. Reicht. Will ja nur essen und müde werden. Das letzte was ich aus dem Fernseher höre ist: „Ich bin so feucht und geil… und warte auf dich.“  Der Akzent ist polnisch, dass Sofa auf dem sich geräkelt wird, könnte vom Sperrmüll sein. Augenverdrehen, Ausschalten. Als nur noch ein Stück Rand und der Schinken auf dem Teller liegen, will ich wieder ins Bett. Schlafen. Bitte. Jetzt sofort.